Geheimes Tagebuch

„Thunder.Bird“ interviewt von: „Nyquist“ für die Digital Talk #108

In diesem Interview darf ich euch den „One & Only“ Thunder.Bird vorstellen. Sie kennen ihn sicherlich aus Filmen wie „BCC I bis XIV“. Falls nicht hier ist er also. Applaus, Applaus!

Hm, danke danke, Sie sind ein wunderbares Publikum! So ganz One & Only bin ich übrigens nicht. Nachdem ich meinen ersten Nick „Skyhawk“ ablegte, mir dafür die Federn anzog als „Thunder.Bird“, war mir lange Jahre nicht klar, dass es schon weit vor mir einen „Thunderblade“ mit sogar gleichem Vornamen gibt! Das macht besonders auf den BCC-Partys Spaß, wenn wir uns begrüßen, heheh. Naja wie dem auch sei: Hallo liebe User, Userinnen und Usenden! *Federn rausputzt* Wie kann ich dienlich sein?

Toll, dass Du uns hier so bereitwillig Rede und Antwort stehst. Erzähle doch etwas über dich. Welches Baujahr bist Du? Was treibst Du so, wenn Du gerade nicht am C64 hängst? Dein chronologischer Lebenslauf bitte! 😉

Ich sah das erste Mal Licht am Ende des Tunnels… moment, ist lange her, ach herrjeh vor 43 Jahren? Potzblitz, tja wie das so ist, kaum ist so ein Streichholz entzündet,  die hellste Flamme geflommen, ist es ebensoschnell verkohlt. Naja mit Verlaub sehe ich noch nicht so scheiße aus, hehe. Meinen schweren Weg zum Schreibenden habe ich über die Realschule, Berufsschule, Radio- und Fernsehtechnikergrundausbildung mit Anschluss Elektroinstallateurgeselle, Arbeitslosigkeit, Bundeswehr, Technische Fachhochschule (Meister), Akademische Hochschule hin zum Journalisten, der mit allen Wasser gewaschen ist, genommen. Hobbys sind Musik hören (bevorzugt von analogen Tonträgern aber auch Webradio und Live), ich habe mal gesungen in einer Soft-Gothic-Band namens [e-md] oder auch Emotional Disorder (BCC-Besucher der ersten Stunde werden sich an die Auftritte erinnern), sammle und liebkose Unterhaltungselektronik über HiFi-Komponenten, Broadcast (TV), SEGA Mega Drive und Master System bis zu sämtlichen Commodore (und anderen!) Homecomputern. Eine Zeit lang bin ich auch gern Rad gefahren, bis ich ein Mofa hatte; da habe ich mal eine längere Spontantour mit einem Freund gemacht… lange Geschichte 😉 Da ich von der Küste bin, ist Wasser mein Element. Ich schwimme sehr gern, tue dies allerdings viel zu selten.

… und was treibst Du so, wenn Du am C64 hängst? Du bist ja einer der Gründer des C64 Club Berlin oder Berlin C64 Club?

Tja, die kuriose Namenswandlung liegt an einem freundlichen aber nachdrücklichen Hinweis eines RA, das Namenskürzel BCC nicht mehr zu verwenden, da es hier in Berlin das „Berliner Congress Center“ (bcc) gibt, die in uns eine Konkurrenz sahen (was mich ehrte). So haben wir das Kürzel offiziell abgeschafft und sind seit einem Serverumzug 2017 nun der C64 Club Berlin. Mir hat es seit Beginn meines In-Erscheinen-Treten auf der Vision 2001 die Demoscene angetan. Ich bin immer fasziniert, zu was der fast 38 Jahre alte C64 imstande ist! Natürlich spiele ich auch ab und zu, wobei das zu meiner Jugendzeit viel mehr war! Ich habe eine Stereo-SID Platine mit dem Kumpel, mit dem ich auf Mofa fuhr, aus einer PD-Bastelanleitung weiterentwickelt, die als STEREOinSID eine kostengünstige Lösung bietet, dem C64 Stereo einzupflanzen. Die BCC-Partyreihe lief dank Evil.Joe übrigens an, der mir das Soundlabor, in dem seine Band auch probte, als erste kostengünstige Möglichkeit zum Treffen feilbot. Letztes Jahr fing ich durch Langeweile an, eine Liveshow mit SID-Musik und meiner wiedererlangten Stimme zu streamen, die danach als Podcast angeboten wurde, da ich seit September 2018 wieder Single bin. Das „Clubtape“ habe ich nach 19 Folgen (wöchentlich) aber eingefroren, da ich nur maximal zwei Live-Zuhörer und wenig Feedback (und dazu noch unnütz-demotivierendes) bekam. Seitdem überspiele ich die alten Sendungen auf Musikkassette und bastle Cover dafür. *die gibt es übrigens zu gewinnen, wenn man für die Digital Talk einen Beitrag schreibt. 😉

Gerüchten zu Folge wurde der Club nur gegründet, um kostenlos auf die ComBär zu gelangen. Stimmt das? 🙂

Die Gerüchte sind –naja- der eigentliche Grund, das stimmt. Ende 2006 war das, als wir (Prof. Pi² und ich) den Grundstein legten und dann bis 2007 dort residierten. Dann hatten die leider aufgehört. Da haben wir unseren Bekanntheitsgrad ordentlich aufpoliert und die meisten „Mitglieder“ gewonnen.

Erzähle uns doch bitte ein wenig über den Club. Wie viele Mitglieder hat der Club und was ist deine Aufgabe im Club?

Heheh, schwierig! Vielleicht trifft die Bezeichnung „unverbindliche Interessengemeinschaft“ eher auf unseren lockerflockigen Freundeskreis zu als dieser starre und vorurteilsbehaftete Begriff „Club“. Daher gibt es keine super-festen Mitglieder. Jeder, der sich mir anschließen will, meine völlig aus dem Ruder gelaufene Sammlung zu nutzen oder entdecken, ist ganz herzlich willkommen! Aufgepasst? Genau, ich bin einerseits Herrscher über das Ganze, verwalte also die (meine überwiegend, sowie durch Mitstreiter dazugewonnene) Hardware, Andererseits bin ich wohl wie ein Herbergsvater so freundlich, dass mir sehr viele Mitstreiter(innen sogar auch) sogar zwischenmenschlich zugetan sind. Es gab aber auch Negativbeispiele, klar. Freundeskreis oder Nutznießer wäre übrigens wohl passender als der Begriff „Clubmitglieder“.

Ich habe gelesen, dass der BCC in der Vergangenheit mit dem Computerspiele-Museum Berlin und dem Vintage Computing Festival Berlin kooperiert hatte. Wie hatte das ausgesehen?

Ich sah in den frühen 2000er Jahren mal einen Fernsehbericht über das Computerspielemuseum (CSM), als das noch in einer Wohnung war. Ein Jahrzehnt später (als ich dann vom Nordlicht zum muffigen Berliner wurde), erinnerte ich mich wieder daran und nahm Kontakt auf. Ich war zweiwöchentlich in der Ausstellung als Museumsstück präsent, indem ich am Wochenende dort mein C64-Zeug zum Spielen anbot. Dafür habe ich etwas Lagerplatz für meine immer weiter auswuchernde Sammlung in deren Kellerräumen bekommen. Und die VCFB ergab sich durch einen Besucher, der sich im CSM an mich wand, meine Präsenz zu erweitern. Das nahm ich gern mit, denn irgendwie befinde ich doch als Missionar des C64 auf dem Weg zur Glückseeligkeit, nä?

Der BCC veranstaltet jährlich zwei Parties – einmal die BCC Party und dann noch seit 2018 die ASOA. Wie kann man sich die Parties vorstellen und wie haben sich diese so entwickelt?

Inzwischen sind es sogar drei Partys, wenn man die BEE schon mitzählt. Durch meine Gegenwart wurde ich halt auch gefragt, wie so eine Party läuft, woran man denken muss und ob ich helfen würde, eine weitere Partyreihe zu etablieren. Klar! Die eigene Party findet seit längerer Zeit immer am letzten vollen Wochenende im Februar statt. So kommt es auch vor, dass während der Party mein Geburtstag stattfindet. Dort treffen sich halt C64-Freunde zum Darbieten ihrer Programmier-/Komponier-/Pixelkünste. Da kommen die aberwitzigsten Demos, Spiele und so bei raus! Es ist also keine „LAN-Party“ in dem Sinne, dass wir uns alle zum gemeinsamen Spielen treffen, sondern gehört klar zur Digitalen Kunst. Man könnte die Partys daher auch als Galerie für Kunstschaffende bezeichnen. Hey, in Finnland wurde zu Ostern 2020 die Demoscene, die aus den „Visitenkarten der Crackerszene“ hervorging, sogar ins Weltkulturerbe aufgenommen! Und genau das machen wir auf der BCC-Party. Digital Arts. Weltkultur! *prost*

Wie kann man euren Club beitreten oder unterstützen?

Eigentlich müsste die Frage lauten: Wie kann der Club jeden C64-User unterstützen?, denn wenn sich jemand bei uns meldet, stehen wir mit Fachwissen (jeder so ein bisschen) und Fähigkeiten (Reparatur und sowas) zur Verfügung. Da halt keine „neuen“ alten C64 mehr hergestellt werden, sind wir auf Ersatzteile immer dringender angewiesen. Wer also helfen will uns anderen zu helfen, meldet sich einfach auf unserer Homepage im Chat (IRC) auf https://c64clubberlin.de und mischt nach Kräften mit, diesen Wundercomputer der 80er zu zelebrieren. Vielleicht springt sogar eine neue Freundschaft dabei raus!

Es war eine Freude mehr über dich zu erfahren. Leider sind wir schon am Ende dieses kleinen Interviews. Möchtest Du noch abschließend etwas unserer Leserschaft mitteilen?

Ich danke für das Mikrofon und möchte besonderen Dank allen aussprechen, die aktiv, wie auch passiv, dem C64 zugewandt sind. Wir sind eine weitgehend friedliche Gemeinschaft, die es wirklich wert ist, mal kennenzulernen! In dem Sinne: TuB out! <3

Console

Videos: Console / Text: Malte Schulze
[Vimeo]66508146[/Vimeo]Console – 14 Zero Zero
Der bekannteste Track der Newlectro-Band Console
Im Mai 1999 betritt Martin Gretschmann die Mainstream-Tanzflächen der Elektro-Szene mit seinem Erfolgs-Stück 14 Zero Zero. Vielleicht einigen bekannt aus der 1996 gegründeten Band „The Notwist“, steht Gretschmann im August 2001 sogar der Isländischen Künstlerin Björk beiseite. Der Titel Heirloom ist nahezu unverändert Gretschmanns Werk, der Björk für ihr Album Vespertine genau richtig erschien. Die Instrumental-Vorlage Crabcraft wurde lediglich mit Björks bezaubernder Stimme angereichert. Der Weilheimer (Oberbayern) Elektrokünstler hat eine -für Elektro-Musik One-Man Projekte- umfangreiche Diskografie vorzuweisen. Und sogar Blümchen und Depeche Mode steht Gretschmann mit Rat und Tat beiseite.
[Vimeo]30864165[/Vimeo]Console – A homeless ghost
Zeitlose Videokunst trifft auf obsolete Computerhardware
Thematisch auf unsere Interessen passend, versetzt Gretschmann mit diesem Musikvideo den User in die Situation des Computers. Die immer kürzer werdenden Nutzungszeiträume von Computern (Psychische Obsoleszenz) werden in „A homeless ghost“ verbildlicht. Natürlich kamen bei diesem Videodreh keine C64 zu Schaden. Höchstens der Geist des irgendwann abgeschriebenen Computers wendet sich mit einer Art Klagegesang an den Nutzer. Uns C64-Nutzer ist allerdings nichts zu alt oder wertlos geworden. Und daher schafft es auch Console hin und wieder zu uns auf die Clubseite! Viel Freude am Video.

16 Bit

16 Bit – Changing Minds
Text: Malte Schulze

Elektro und Synth Pop bereichern seit dem legendären Moog Synthesizer die Musiklandschaft. Dank der schnellen Entwicklung der Heimcomputerbranche werden Low-Budget Musikproduktionen in den 80er Jahren möglich. Neben dem Atari 1040ST mit seinem absoluten Kaufargument des eingebauten MIDI-Interfaces buhlt auch der Amiga mit seinem Paula-Soundchip um die Gunst der Musikindustrie.
1986 gab es da Zwei, die eine ganze Ära der Musikgeschichte erhoben: Münzing und Anzilotti.

Studio A von 16 Bit, im Hintergrund die 3,5" Disketten und der eingebaute Atari 1040ST
Studio A von 16 Bit – Im Hintergrund die 3,5″ Disketten und der eingebaute Atari 1040ST (Bild: myspace, 16 Bit)

Ihr eigenes Projekt „16 Bit“ war nur der erste Geniestreich der beiden Frankfurter, die Mitte der 80er zusammen fanden. Wer hätte denn gedacht, dass Snap!, Moses P. und OFF (Sven Väth) durch 16 Bit auf die EmpOHRe gehoben wurden? Zu danken ist den Italienern, die mit der Stilrichtung Italo Disco den deutschen Tanzläden gehörig einheizten. Bei 16 Bit ist es sicherlich die Symbiose aus deutscher Geradlinigkeit und italienischer Empathie, die dem Team auf Treppchen half. Mit einiger Sicherheit ist es aber auch der Heimcomputerindustrie zu verdanken, ohne die heute sicher kein Techno oder Eurodance denkbar wäre.

[youtube]-AQQp30oLMU[/youtube]

POKE 858,1234

Die Equipment-Liste bring es zu Tage, woran sich der Songtext orientiert:
PPG 2,3 (Wave), Akai S 900, Roland MKS-80, Yamaha TX 816, Dynacord Add_one, Roland MSQ 700, Roland SBX 80, Commodore Amiga 500.
Amiga 500! Im Musikvideo sind Grafik-Elemente, z.B. ein fliegendes UFO implementiert. Damals so um 1987 herum war das sicher hohe Technologie. Heute sieht man dem Video das Alter aber an. Trotzdem, oder gerade deswegen, hat es einen Artikel auf unserer Homepage verdient!

Björk

Björk – Declare Independence
Text: Malte Schulze

Auf dem Volta-Album der Isländischen Singer-Songwriterin Björk (Gudmundsdottier) ist ein Nadeldrucker als Instrument eingesetzt worden. Die Aussage des Liedes, sich unabhängig zu erklären, wird mittels Nadeldruck mit einem 9-Nadel Drucker auf Papier geschlagen, während die Künstlerin wehement gegen die Einschüchterung durch das System wettert.

[youtube]XLCFRo1GlEI[/youtube]

Der Videoartist Michel Gondri (Franzose) setzt dabei auf Armee-Kleidung und durch bewegte Schnüre dargestellte Befehlsabläufe, die nach und nach durch Björks schmetternde Befehlsgabe, sich zu befreien, bunt eingefärbt werden und damit die Gleichtönigkeit und Idiotie des blinden Gehorsams in Frage stellen. Eine ganz mutige, somit außergewöhnliche Musikrichtung (Experimental Independent Electro) mit der unüberhörbaren Aussage, seinen eigenen Weg zu gehen. Natürlich bleibt jedem die Interpretation selbst überlassen.

Interview der Süddeutschen Zeitung mit Björk 2010

Addicted to C64

Im Zuge meines Studiums an der DEKRA Hochschule Berlin habe ich mich zu einem Video-Portrait verführen lassen. Der Dreh fand in der Dozenten-Etage auf dem VIP-Sofa statt. Alles ohne Drehbuch, sehr spontan und vollkommen unvorbereitet. Zufällig hatte ich eine Tastenkappe in meinem Portemonnaie, die auf den Knopf der Brusttasche aufgeklemmt wurde. Die Mütze war eher Mittel zum Zweck denn modisches Accessoire. Prompt noch die mitgeführten DinA4 Ausdrucke an die Wand geklebt und los ging es. Ab 8’30“ geht es los. Viel Spaß 😉

[youtube]lCWOblFZ1xM[/youtube]