SID-Musik für die Hosentasche

Es war das Jahr 2010, als ein neues „Gadget“ (zu Deutsch etwa ’nützliches Spielzeug‘) für unterwegs zu begeistern versuchte. Es war der Jakobsweg, einen nahezu nativen SID-Player in möglichst kleiner Bauform zu etablieren. Ähnlich den frühen USB-Sticks mit MP3-Playerfunktion, hier allerdings ohne Display, war der SID-Stick länglich geformt und für Batteriebetrieb vorgesehen.

Ein SID-Stick, ähnlich einem MP3-Player, ward geboren. Und zwar aus etwas, was gar nicht dafür „gedacht“ war. Ein Propeller dient als Gefährt. – was ich da rede?! Also eins nach dem Anderen: Ein Propeller Chip ist eine Art Computer. Nein, eigentlich sind es acht Computer, die immer schön der Reihe nach dran kommen. Und das ist gut so, denn jeder hat das Recht zu sein, wer er ist! Und so darf Einer von ihnen die Micro-SD-Karte auslesen, der Nächste darf die Datei zerpflücken und dem Nächsten zum Verwandeln in Musik schicken. Um das Ganze zu bedienen wacht Einer über die Tasten (Vor, Zurück, Play/Pause). Und die Übrigen erledigen irgendetwas C64-typisches. Zumindest ist das mit der SIDcog-Firmware so. Denn der SID-Stick ist keine dedizierte Hardware, um ausschließlich C64-Musik zu spielen. Er kann viel mehr!

Für die jüngeren Leser (und vielleicht auch eine Leserin) wird sich überhaupt zuerst die Frage stellen, was ein SID eigentlich ist.
SID – Sound Interface Device (also irgendwas mit Musik, wie zuvor schon erwähnt) als:
MOS 6581 – Hersteller und Produktkennung – ein 28-beiniger IC – Audio-Synthesizer
CSG 8580 – Hersteller und Produktkennung – moderne Version des MOS 6581
C64, C128, CBM 610, SX64… – Homecomputer der 80er Jahre in denen der SID steckt

Wie funktioniert der SID-Stick?
Zuerst einmal muss eine Windows-Software gestartet werden, die einem Medienplayer ähnelt. Musikstücke können ausgewählt und abgehört werden. Ist eine Auswahl getroffen, wird die Standard-Titellänge festgelegt. Dann wird jeder Titel in eine .dmp Datei umgewandelt. Die entspricht inhaltlich etwa einem Roh-Datenstrom, der im SID des C64 verarbeitet werden würde. Damit der Propeller MuFuC (Multifunktionschip) sich nicht um die Emulation eines ganzen C64 kümmern muss, ist die Umwandlung der nativen SID-Dateien unumgänglich. Dann wird durch Umbenennen der Dateien eine Abspielreihenfolge erzielt, wobei das alte „8.3 Datei-Format“ gilt. Ab damit auf eine Micro-SD-Karte und rein in den Sid-Stick. Das Ergebnis kann sich wirklich hören lassen! Lediglich die Lautstärkeregelung verursacht bei meinem Gerät bei geringer Lautstärke komische digitale Störgeräusche. Aber wer hört denn schon SID Musik leise? 😉

Hörbeispiel mehrerer vom SID-Stick gespielter Stücke (Quelle: github 149kBps VBR MP3 6’20“)

Rückschließend auf das geringe Interesse, am SIDcog weiterzuarbeiten, dürfte die geringe Anzahl verkaufter Einheiten sein. Die Dateiumwandlung und unflexible Spielzeitanpassung tun ihr Übriges. Darüber hinaus ist die Software zur Dateiumwandlung in .dmp auch nur für Windows herausgekommen. Der versprochene Apple- und Linux-Port ließ vergebens auf sich warten (oder ich habe ihn nicht gefunden). Mittlerweile wird mit dem SID so stark getrickst, dass zu viele neue Musikstücke mit dem SID-Stick auf der Strecke blieben: Angefangen bei Multispeed-SIDs über Digi-Effekte bis zum Test-Bit und mehrere andere „Schweinereien“. Das alles kann der SIDcog 1.3 für den Parallax Propeller leider nicht.

Es stellt sich nur die (leicht ironische) Frage: Warum zum Henker muss SID-Sound nativ angehört werden? Es gibt da eine Seite wie http://www.6581-8580.com von Stone Oakvalley, auf der alle jemals bekannt gewordenen SID-Musiken als MP3 verfügbar sind. Nunja, leider ist Sampling einer Art Fleischwolf-Hackfleisching ähnlich. Am Ende kommt nur Grütze raus und das hört man sogar mit Lederohren. Zudem ist die Datenbandbreite unverhältnismäßig viel höher. Vergleichsweise, als fuhre jemand mit 60kg Körpergewicht allein in einem 2 Tonnen schweren SUV durch die Gegend. Kann man machen, muss man aber nicht. Und da Vergleiche hinken, einfach schnell wieder vergessen.

Konklu(supervi)sion – Man darf doch wohl noch träumen dürfen 😉
SID-Musik, sprich PSID-Daten über die Austastlücke des TV übertragen oder im RDS-Textstream auf UKW. Als Empfänger natürlich ein C64. Man möchte doch autentischen Sound genießen. Mit VIC-Pfeifen und Lieblings-SID-Revision. Wäre das was..? Nein… nicht masssentauglich genug.
Also zurück zu der SID-Stick Technologie, die da eigentlich den richtigen Weg geht. Da passen auf eine 1GByte Micro-SD Speicherkarte 30.000 SID Musikstücke (grob geschätzt) also fast alle jemals erschienen geglaubten.
Ein findiger Tüftler und Denker (Namen zum Informantenschutz geändert) namens NREKS hat mit mir auf der Bunkerparty 2019 an einer Idee herumgedacht, die mit jedem Modem/Router in einem eigenen, von der herkömmlichen Internet-Nutzung abgegrenzt, funktionieren könnte. Da die Idee noch nicht ausgegoren ist, erstmal Schluss!

Im Nächsten Artikel dann:
T-LAN SID-Stream Receiver/Player